Chirurgie zur Zeit der Kreuzzüge

Historische Hintergründe

 

Stand der Medizin im Allgemeinen

Um die Medizin war es im Mittelalter nicht besonders gut bestellt. Zwar war man bereits in der Antike (Griechen und Römer) zu einem ansehnlichen Wissensstand gelangt, jedoch gingen diese Erkenntnisse durch die Völkerwanderung und den Untergang des Römischen Reiches weitgehend verloren. In unserem Kulturkreis blieb von diesem antiken Wissen sehr wenig erhalten, im Allgemeinen basierten medizinische Behandlungen und Diagnostik auf Erfahrung und einfacher Volksmedizin.

Erst durch das Vordringen des Islam nach Westen (der einen deutlich höherentwickelten Drang zur Wissenschaft gegenüber den germanischen Stämmen hatte), kamen alte Schriften der Römer und somit das antike Wissen wieder zu Tage. In unsere Breiten gelangte es wiederum u. a. durch die Kreuzzugsbewegung, da heimkehrende Kreuzritter häufig auch arabische Schriften mit nach Europa brachten.

Da in dieser Zeit kaum jemand lesen konnte, oblag es den Mönchen, allen voran den Benediktinern, diese Schriften zu übersetzen und zu kopieren. Und so war es naheliegend, dass sich Klöster nach und nach in Sachen Wissenschaft zu "Hochburgen" entwickelten, zumal weltliche Schulen im heutigen Sinne weitgehend unbekannt waren und sich nur sehr langsam etablierten.

Die Klöster widmeten sich dem Studium der Medizin und verschrieben sich der Krankenpflege. Die Chirurgie kam dabei leider etwas kurz, da durch einen Papsterlass aus dem Jahre 1163 den Mönchen das chirurgische Arbeiten untersagt wurde.

 

Der Berufsstand der Chirurgen

Chirurgen galten nicht als "richtige" Mediziner im heutigen Sinne, sondern als Handwerker ("Chirurgie" kommt aus dem Griechischen und bedeutet nichts anders als "Handwerk"). Daher erlernten mittelalterliche Chirurgen ihren Beruf auch nicht in Schulen oder Universitäten, sondern absolvierten, genau wie ein Zimmermann oder Bäcker, eine Lehre. Häufig bei einem Meister, aber auch aus den Reihen der Bader gingen neue Chirurgen hervor. Oft wurden die Kenntnisse auch im Rahmen eines "Familienbetriebes" auch vom Vater auf den Sohn weitergegeben.

Dem entgegen stand der Medicus, der gelehrte, studierte Arzt, heute am ehesten vergleichbar mit einem Internisten. Der Medicus war eher der Diagnostiker: er fühlte den Puls, nahm den Kranken in Augenschein, führte Gespräche und diagnostizierte mittels Harnschau. Eingriffe am Patienten führte er nicht durch, sondern schickte nach dem Bader oder Chirurgen. Einen Medicus traf man am vorwiegend in den Städten an, die Landbevölkerung kam kaum in einen solchen Genuss (zumal man sich einen solchen Arzt im Regelfall auch nicht hätte leisten können...).

Die Chirurgie genoss im Allgemeinen, obwohl dringend benötigt, kein besonders gutes Ansehen. Der gelehrte Medicus sah den Chirurgen häufig als eine Art "lästiges Übel", der nur hinzu gezogen wurde, wenn unschöne Tätigkeiten zu verrichten waren. Die Anerkennung dieses Berufszweiges erfolgte erst in der Neuzeit, als nach Entdeckung von Narkose und Eindämmung von Entzündungen die Chirurgie einen Großteil ihres Schreckens verloren hatte...

 

Chirurgie im Kontext der Kreuzzüge

Man kann wohl mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, das die Kreuzzüge bzw. große Pilgergruppen von reisenden Medizinern begleitet wurden. Die sog. "Feldscherer" waren Wundärzte, die sich auf Feldzüge "spezialisiert" hatten. Und ganz nebenbei kümmerten sie sich auch noch um die Bart- und Haarpflege, daher der Begriff "Scherer" (vom Bartscheren).

In den Klöstern gab es gewöhnlich einen Krankenpfleger ("Infirmarius"). Möglich wäre, dass einer dieser Brüder (oder einer seiner Helfer) sich auf Feldzügen um die Kranken gekümmert hat. Ob es innerhalb des Templerordens solche Wundärzte gegeben hat, ist strittig, Belege gibt es dafür leider nicht.

Sicher ist, dass sich die Templer hauptsächlich um die eigenen Verwundeten gekümmert haben. Im Gegensatz dazu stehen die Hospitaliter (Johanniter) und Lazarener, zu deren Aufgaben stets die Versorgung von Kranken und Verletzten gehört hat.


Eine Neuerung im mittelalterlichen Europa war das Entsehen christlich orientierte Gasthäuser (Hospitäler). Die Begriffe Hospital und Hospiz stammen vom lateinischen Wort für Gastfreundschaft: "hospitium". Solche Einrichtungen dienten vorrangig als Unterkunft für Pilger, aber kranke und erschöpfte Reisende wurden auch im Sinne der christlichen Nächstenliebe gepflegt und versorgt, bis sie zur Weiterreise in der Lage waren.
Meist wurde die Pflege der Kranken von Mönchen, Nonnen, Novizen und Laienhelfern geleistet.

 

***

Wie dem auch sei, das Thema Chirurgie, hier besonders die Wundversorgung und Chirurgie bei Verletzungen, ist ein sehr weites und höchst interessantes Wissensgebiet! Leider gibt es relativ wenig Literatur zu diesem Thema, zumindest für die Zeit des Hochmittelalters. Daher erheben die hier aufgeführten Daten, Techniken und Geschichten keinen Anspruch auf absolute Korrektheit und Vollständigkeit. Wer sich näher mit der Materie beschäftigt, sollte daher weitere Quellen zu Rate ziehen. Und wer gravierende Fehler findet, möge bitte einen Boten mit einer Nachricht zu uns senden. Vielen Dank!

 

(Ähem... zart besaitete Gemüter sollten vielleich auf eine andere Literatur ausweichen... die Medizin des Mittelalters ist nicht für sensible Menschen geeignet...)

 

Allen anderen viel Spaß beim Streifzug durch die Chirurgie!

Und wer noch mehr darüber erfahren möchte: besucht uns doch auf einem Markt, wir haben noch viele andere Geschichten und Infos für euch!