Grundlagen

Die folgenden Ausführungen zielen darauf ab, einen grundlegenden Überblick über die Bekleidung von Mönchen und Nonnen zu verschaffen, vorrangig unter dem Aspekt Mittelalter-Hobby.

Man sollte dabei bedenken, dass alle Ordensgemeinschaften Entwicklungen durchgemacht haben und sich die Kleidung ggf. entsprechend geändert hat. Was im Spätmittelalter üblich war, galt vielleicht nicht für die Anfangszeit der Orden. Hinzu kommt, dass es besonders in der Frühzeit des Mönchstums noch keine so komplexen Regeln zu den einzelnen Kleidungsstücken gab wie heutzutage. Teilweise trug man auch einfach das, was man besaß. Außerdem gibt es Unstimmigkeiten bzgl. der einzelnen Kleidungsstücke, teilweise durch widersprüchliche Übersetzungen. Einige Dinge lassen sich nur aus dem Kontext interpretieren und bleiben ohne faktische Belege.

Und wer Fragen oder Korrekturen dazu hat, darf sich gerne jederzeit bei uns melden!

 

Farben

Heutzutage kann man die einzelnen Ordensangehörigen klar an den Farben ihrer Gewänder erkennen. Im Mittelalter war das nicht unbedingt so. Die Benediktiner-Regel beispielsweise besagt, man solle nehmen, was man in der jeweiligen Gegend vorfindet. D. h., gab es in der betreffenden Region schwarze Schafe, gab es schwarze Wollstoffe. Gab es graue Schafe, erhielt man graue Wolle. So ergibt sich eine Bandbreite der Stoff-Farbe von hellem Grau bis Tiefschwarz (ja, es gab auch rein schwarze Schafe!). Gefärbt wurde im Regelfall nicht, zumindest nicht in den Anfangsjahren. Somit dürfte das einheitliche Bild, das sich heutzutage im Kontext mit bestimmten Orden ergibt, im Mittelalter durchaus nicht Gang und Gäbe gewesen sein.

Erst im Laufe der Jahre kristallisierten sich die heute üblichen Farben für die einzelnen Orden heraus. Wahrscheinlich griff man nach und nach auch auf gefärbte Stoffe zurück, wobei sich ein fester Zeitpunkt hier sicherlich nicht mehr nachvollziehen lässt.

 

Materialien

Für die Oberbekleidung war Wolle DAS Material des Mittelalters (auch im "zivilen" Leben kamen kaum andere Stoffe zur Verwendung).

Die Unterwäsche konnte sowohl aus Wolle, als auch aus Leinen gefertigt sein (wobei einige Ordensgemeinschaften Leinen als Material ablehnten, es galt als Zeichen von Verweichlichung).

 

Schnittmuster

Die Schnittmuster der Ordenskleidung orientieren sich an der zivilen Bekleidung. Die Schnitte waren generell sehr einfach und bestanden in der Hauptsache aus Rechtecken und Keilen. Damen- und Herrengewänder unterschieden sich vom Schnitt her nur unwesentlich.

Als Funde im klerikalen Kontext lassen sich sehr schön das Gewand des Hl. Franz von Assisi und das Bußkleid der Hl. Klara oder auch der Hl. Elisabeth zu Rate ziehen. Allerdings sollte man diese Schnitte nicht als allgemeingültig ansehen, sicherlich kamen auch andere Schnittvarianten zum Einsatz (auch in weit einfacherer Form).

 

Verwirrende Begriffe

Beschäftigt man sich mit mittelalterlicher Kleidung, trifft man immer wieder auf einige Begriffe, die im heutigen Sprachgebrauch nicht mehr oder anders zu finden sind. Daher folgt hier eine kurze Übersicht dazu:

"Tunika" ist gleichzusetzen mit der "Cotta", einem Obergewand mit langen, eher engen Ärmeln, wahrscheinlich im Ordenskontext mindestens waden-, eher knöchellang.

 "Kukulle" wird unterschiedlich interpretiert und teilweise kontrovers diskutiert. In jedem Fall handelt es sich um ein Kleidungsstück mit Kapuze. Weiteres dazu unten.

"Hose" meint im Mittelalter nicht die heutige Hose, sondern bezeichnet die Beinlinge, also zwei einzelne Strümpfe, die bis über den Oberschenkel reichen und an der Bruche angenestelt werden.

"Socken" sind hier im Sinne von (genähten) Strümpfen bis zum Knie zu verstehen.

 

Die "Kukulle" (jetzt wird's kompliziert!)

Im Kontext mit klerikaler Gewandung stolpert man immer wieder über den Begriff "Kukulle" im Zusammenhang mit diversen Kleidungsstücken. Die Bezeichnung erscheint unklar und wird für die unterschiedlichsten Gewandungsteile benutzt. In den Ordensregeln wird die Kukulle ebenfalls aufgeführt, ohne weitere Erklärung, um welche Art von Kleidungsstück es sich handelt.

 

Wortherkunft

Der Begriff "Kukulle" stammt vom latainischen "cucullus" = „Tüte", bzw. aus keltisch "kūkka" = „Gipfel", in übertragener Bedeutung „Kapuze". In seiner ursprünglichen Verwendung bezeichnet "Kukulle" eine Art Überwurf mit Kapuze von unterschiedlicher Länge und Form (ähnlich der Cappa).

Nimmt man als gegeben an, dass der Begriff "Kukulle" sich vordergründig auf die Kapuze bezieht, machen alle widersprüchlichen Bezeichnungen plötzlich Sinn!

Eine "Kukulle" wäre somit ein Überkleid mit Kapuze, dessen weitere Form sehr unterschiedlich ausfallen kann (auch zu unterscheiden im jeweiligen Zeitfenster).

 

Variationen (alle MIT Kapuze!)

Die unten gezeigten Abbildungen stammen aus diversen Quellen und beziehen sich lediglich auf die Form des Kleidungsstücks! Ordensspezifische Farben wurden nicht berücksichtigt!

 

Einfache Kukulle: Schlichtes, weit geschnittenes Kleidungsschnitt, knöchellang, weite Ärmel

 

Skapulier-Kukulle: gerade Stoffbahn, über Rücken und Brust fallend, als Arbeitsschürze

 

Talar-Kukulle: sehr weites Kleidungsstück mit großer Stoffmenge, getragen zum Chorgebet oder feierlichen Anlässen

 

 

Ab und an ebenfalls als Kukulle bezeichnet wird die

Cappa. Ein Überwurf, Cape; als Reisekleidung oder Wetterschutz bei der Arbeit

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